
Vorreiter aus der Radbranche
SCHWALBE setzte auf Kreislaufwirtschaft
Was tun, wenn alle sagen: „Geht nicht!“? Mit noch mehr Ehrgeiz forschen und das Gegenteil beweisen. Als erstes Unternehmen weltweit hat SCHWALBE ein Reifen-Recycling-Verfahren entwickelt, das alle Substanzen in den Kreislauf zurückführt.
Seit so vielen Jahren – im Grunde Jahrzehnten – wird industrieübergreifend darüber gesprochen, wie entscheidend die Kreislaufwirtschaft für die ökonomische und ökologische Zukunftsfähigkeit sein wird. Gehandelt wird allerdings selten. Zu komplex, zu aufwändig, zu unsicher. Und dann kommt mit SCHWALBE ein Familienunternehmen aus der Radbranche und zeigt, dass es gehen kann. Und wie!
Rund 3,4 Millionen Tonnen Altreifen fallen im Jahr in Europa an. Ein Drittel davon werden verbrannt und somit „thermisch verwertet“, zwei Drittel zu Granulaten geschreddert. Auch wenn der Anteil der Fahrradindustrie überschaubar ist, war es für SCHWALBE schon früh ein zentrales Anliegen, ihre Produkte wieder nutzbar zu machen.
Recycling ohne Abfälle & Emissionen
Das Familienunternehmen mit Sitz in Reichshof (rund 50 Kilometer östlich von Köln) zeichnet sich seit seiner Gründung durch sein starkes soziales und ökologisches Engagement aus Seit 2015 besteht das Recycling-System für Schläuche und inzwischen besteht ein Standard-Schlauch der Marke zu 20 % aus recyceltem Kautschuk.
Für Reifen ist der Prozess jedoch deutlich komplexer, weil sie (im Gegensatz zum Schlauch) aus unterschiedlichen Komponenten bestehen. Sie müssen zunächst getrennt und wiederaufbereitet werden, um nicht nur zur einfachen Gummimatte (Downcycling) zu werden, sondern auch wieder zu einem Reifen – und damit den Kreislauf zu schließen.
Gemeinsam mit der TH Köln und der Pyrum Innovations AG aus dem Saarland hat SCHWALBE jahrelang an einer Cradle-to-Cradle Lösung gearbeitet – und 2022 schließlich tatsächlich etabliert.
So funktioniert die Prozesskette: Altreifen werden durch ein Pyrolyseverfahren thermisch zerlegt. Das funktioniert ohne Sauerstoff und somit wird nichts verbrannt und keine Emissionen ausgestoßen. Der dabei entstehende Dampf kondensiert zu hochwertigem Öl, das von der Industrie als Rohölersatz abgenommen wird. Das Gas treibt die Anlage an, die dadurch energieautark läuft. Und vor allem: Der aus der Pyrolyse gewonnene Ruß bzw. Recovered Carbon Black (rCB) wird von SCHWALBE in Neureifen eingesetzt.
Rund 2.200.000 wiederverwertete Reifen seit 2022
Für sein Engagement und die Transformation seines Geschäftsmodells (über das Recycling hinaus) wurde SCHWALBE 2025 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Allerdings lohnt sich das ganzheitliche Recycling-Verfahren nicht nur für die Umwelt. SCHWALBE betont auch den langfristigen ökonomischen Vorteil. Das Investment mag groß sein, doch für produzierende Unternehmen ist die Frage nach der Verfügbarkeit von Rohstoffen (auch mit Blick auf geopolitische Herausforderungen) ein entscheidender wirtschaftlicher Aspekt.
Was könnt ihr tun?
Schmeißt eure Fahrradschläuche nicht in den Hausmüll, sondern gebt sie bei Fahrradhändlern ab. Innerhalb von Deutschland kann man sie direkt kostenfrei an SCHWALBE schicken. Hier findet ihr die Erklärung.
Das gleiche trifft auf Reifen zu: Wenn ihr den Recycling-Prozess unterstützen möchtet, findet ihr hier Händler, wo ihr eure Reifen retournieren könnt (Deutschland).


TEXT: Sissi Pärsch
